Beienheimer Geheimnis: Multifunktionelle Spieler

Der SKV Beienheim hat es geschafft. In der kommenden Saison spielen die Kicker von Trainer

Karl-Heinz Stete in der Gruppenliga. Eine Überraschung war der Kreisoberliga-Titel jedoch nicht. 

(geänderter Bericht: Uwe Born)

 

Zwar sind bis Ende Mai noch zwei Pflicht-Duelle in Bruchenbrücken sowie zu Hause gegen den FC Karben zu absolvieren, doch für die Fußballer des SKV Beienheim spielen diese Partien eigentlich keine Rolle mehr. Nach dem 4:1-Erfolg am vergangenen Sonntag beim SV Nieder-Wöllstadt steht fest: SKV-Trainer Karl-Heinz Stete und seine Mannschaft haben in der Kreisoberliga Friedberg vorzeitig das maximal Machbare erreicht, nämlich die Meisterschaft und den Aufstieg in die Gruppenliga Frankfurt-West. Eine Überraschung? Eher nicht.

Jedenfalls bezeichneten Kenner der Szene die Beienheimer Truppe schon zu Beginn der Saison 2016/2017 im Friedberger Fußballoberhaus als einen der Mitfavoriten, und auch klubintern erachtete man – zunächst eher hinter vorgehaltener Hand, später jedoch ganz offen – die Rückkehr auf die überregionale Fußball-Bühne als klar formuliertes Ziel. Rückkehr deshalb, weil der Verein aus dem Reichelsheimer Stadtteil nach dem KOL-Titelgewinn 2012/2013 schon einmal Gruppenliga-Luft schnuppern durfte, dort allerdings zwölf Monate später wieder die Segel streichen musste und in den letzten beiden Spielzeiten angesichts der Positionen zwei (in der Aufstiegsrunde an Germania Enkheim gescheitert) und drei jeweils nur knapp den Sprung verfehlte.

Karl-Heinz Stete hat demnach Wort gehalten. Der B-Lizenz-Inhaber und Regionalauswahl-Co-Trainer, dessen herausragende Übungsleiter-Fähigkeiten bereits als langjähriger Jugendtrainer bei der TSG Wieseck (Hessenmeisterschaft) zum Tragen kamen und im nunmehr zweiten Jahr auch auf dem Beienheimer Fußball-Parkett deutliche Konturen erkennen lassen, zeigte schon im Oktober vergangenen Jahres klare Kante: »Für uns gibt’s nur einen Weg, nämlich direkt in die Gruppenliga Frankfurt-West«, ließ der 49-Jährige seinerzeit wissen. Jetzt kann er Vollzug melden, wobei ein etwa 20 Spieler umfassender Kader Fußball auf konstant hohem Kreisoberliga-Niveau garantierte.

Der Saisonverlauf: Mit Niederlagen brauchten sich die SKV-Cracks bislang nur zweimal zu befassen: Anfang August unterlag man der TSG Ober-Wöllstadt zu Hause (1:2), Ende November gab’s beim FC Karben nichts zu gewinnen (0:2). Davor, dazwischen und danach ließ die Stete-Elf so gut wie gar nichts anbrennen: Vier Auftaktsiegen im August folgten zwischen den beiden einzigen Niederlagen zehn ungeschlagene Spiele (acht Erfolge, zwei Remis). Zuletzt brachte es der neue KOL-Meister inklusive der eminent wichtigen Auswärtssiege in Ober-Wöllstadt (4:0) und Ober-Rosbach (3:1) auf elf Dreier und ein Unentschieden in Serie. Höchster Saisonsieg: 13:0 Anfang Oktober gegen die KSG 1920 Groß-Karben.

Die Teamstruktur: »Mit Ausnahme des Torwarts muss jeder Spieler auf mindestens zwei Positionen einsetzbar sein, sonst kann ich ihn nicht gebrauchen«, lautet Stetes Grundsatz. Auf seine Mannschaft bezogen heißt das: Nur die Aufgaben der Keeper Kevin Christiansen und Michael Eckhardt (kam in der Winterpause) waren stets exakt definiert. Ansonsten wurde und wird auch weiterhin Flexibilität der bestimmende Faktor sein. Karl-Heinz Stete baute in der Defensive vorwiegend auf Serge Mouzong, Timon Wolf, Dominik Friede, Matthias Pircek und Johannes Eder, betraute Admir Pllana, Advan Cakiqi, Daniel Friede, Volkan Kirim und »Allzweckwaffe« Florian Mazllomaj mit Mittelfeld-Aufgaben und setzte im Angriff auf Sascha Bilkenroth, William Anane, Marco Mouzong, Oliver Aniol, Yannick Wolf und Ümit Karpuz.

Die Stärken: Bislang haben die Beienheimer die meisten Tore geschossen (92) und die wenigsten kassiert (25). »Vorne können wir auf ein Überangebot an torgefährlichen Spielern zurückgreifen«, erklärt der SKV-Übungsleiter. Rotation war deshalb angesagt und machte es dem jeweiligen Kontrahenten gewiss nicht einfacher, wirksame Strategien zwecks Schadensbegrenzung zu entwickeln. An Spielern, die überdurchschnittlich oft in die Vollen treffen, herrscht beim künftigen Gruppenligisten offensichtlich kein Mangel: Marcel Bilkenroth (19 Tore), Jeton Visoka, Serge Mouzong (jeweils 10) und William Anane (7) führen diese ganz spezielle Hitliste intern an. Um Spiele zu gewinnen, sei, so Karl-Heinz Stete, jedoch eine sichere Defensive zwingend notwendig: »Wir verfügen mit Admir Pllana über den besten Sechser und mit Serge Mouzong über den besten Innenverteidiger der Liga. Das beruhigt ungemein.«

Die Schwächen: 92 erzielte Tore sind zwar eine ganze Menge, aber für Stete noch lange kein Grund, sich damit zufrieden zu geben. »Wir hätten mehr Treffer erzielen können, ja müssen.« Und eben deshalb gelte es, vorne effektiver zu verfahren. »Wir müssen Abschlüsse üben. Das wird in der Vorbereitung auf die neue Runde ein Schwerpunkt sein, denn in der Gruppenliga geht’s resoluter zur Sache«, meint der SKV-Trainer.

Die Perspektiven: Torwart Kevin Christiansen (Spfr. Oberau) und William Anane (Laufbahn-Ende) verlassen den Klub – ansonsten wollen alle Spieler bleiben. »Ziel ist natürlich der Klassenerhalt«, verrät Karl-Heinz Stete. Neuverpflichtungen hält er nicht für erforderlich: »Vielleicht ein, zwei Talente, mehr nicht. Unser Kader ist auch in der Breite stark genug, um den künftigen Gruppenliga-Rivalen Paroli bieten zu können.« Man freue sich schon jetzt auf attraktive Gegner und gehobene Ansprüche: »Kann sein, dass wir deshalb mehr Trainingseinheiten benötigen«, befürchtet Stete, »aber zweimal die Woche konzentriert trainieren, müsste eigentlich ausreichen.«

 (Eingestellt am 11.05.2017: {KW}