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Ich war schon immer für die Tore zuständig“: Pedro Urie Difuidi (SKV Beienheim) im Gespräch mit FNP-Reporterin Simone Dittmar.

SKV Beienheim Bei Fiete fing alles an

16.08.2016 Von SIMONE DITTMAR In der Saison 2016/17 soll es nun klappen – der Aufstieg des SKV Beienheim in die Gruppenliga Frankfurt/West. Vielversprechend der 5:0-Auftakt am 1. Spieltag wie auch die Verstärkungen des Friedberger Kreisoberligisten: Mit Pedro Urie Difuidi läuft künftig ein ehemaliger Nationalspieler für den SKV auf.

 

Bad Homburg/Beienheim.

„Wer ist Fiete?“, diese Frage dürften sich wohl die Eltern von Pedro Urie Difuidi gestellt haben, als ihr Sohn, der zu diesem Zeitpunkt die erste Klasse besuchte, nach Hause kam und berichtete: „Alle gehen zu Fiete, ich will auch zu Fiete.“ Wenig später stellte sich heraus: Friedrich „Fiete“ Werner ist der Fußballtrainer des MTSV Hohenwestedt. Hier im hohen Norden, im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein, erlernte der damals sechsjährige Pedro fortan das Fußballspielen.

Geboren wurde Pedro Urie Difuidi am 1. April 1988 in Luanda, der Hauptstadt Angolas im Südwesten Afrikas. Als er zwei Jahre alt war, wanderten seine Eltern – der Vater Lehrer und ehemaliger Fußball-Profi, die Mutter gebürtige Kongolesin und Fluglotsin – wegen des Bürgerkrieges nach Deutschland aus. Zweifellos eine sportbegeisterte Familie: Difuidis zweitälteste Schwester Susanna spielte für das deutsche Basketball-Nationalteam, sein jüngerer Bruder Michael Luyambula, 17 Jahre, trägt aktuell das gelb-schwarze Trikot der U 19 von Borussia Dortmund – in der A-Jugend-Bundesliga.

Gute und schwere Zeiten

Auch die sportliche Karriere von Pedro Urie Difuidi nahm rasch an Fahrt auf: Im Alter von zwölf Jahren wechselte er zum Rendsburger TSV, spielte für eine Auswahlmannschaft Schleswig-Holsteins und bekam ein Angebot von Holstein Kiel: So ging er mit 13 Jahren in der Landeshauptstadt auf Torejagd. „Ich war schon immer für die Tore zuständig, das ist mein Job“, lacht der 28-Jährige.

Es gibt aber auch weniger schöne Erinnerungen an jene Zeit: 1997 drohte der Familie die Abschiebung, sein Heimatverein setzte sich ein. Nachdem vier der sechs Kinder aber in Deutschland geboren worden waren, durfte Familie Difuidi bleiben. „Ich habe mittlerweile einen deutschen Pass und genauso fühle ich mich auch“, berichtet Difuidi, der sein Geburtsland Angola, seitdem er es mit zwei Jahren verlassen musste, nicht mehr wiedergesehen hat. In Kiel war es auch, dass ihn sein damaliger Trainer in der Kabine beiseitenahm und ihm mit auf den Weg gab: „Wenn Du in Deutschland erfolgreich sein willst, musst Du 100 Mal besser als ein Deutscher sein.“ Worte, die man nicht so schnell vergessen kann, gerade als 15-Jähriger. Als die 20 besten Nachwuchsspieler aus Schleswig-Holstein zum DFB-Stützpunkt im Duisburger Stadtteil Wedau eingeladen wurden, war Difuidi unter ihnen – als einer von zwei Spielern ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Auch hier setzte er sich durch, eine Einladung nach Katar musste er verletzungsbedingt absagen.

Mit 16 Jahren zog Difuidi zu Hause aus und ins Jugendinternat des FC Metz im Nordosten Frankreichs ein. Auch andere internationale Clubs wurden auf den talentierten Stürmer aufmerksam, etwa der FC Liverpool, Galatasaray Istanbul – und Arminia Bielefeld. „Bielefeld hat sich am meisten um mich bemüht, Vertreter des Vereins sind vier Mal zu meinen Eltern nach Hause gekommen.“ Mit 17 Jahren lebte er dann, gemeinsam mit einem weiteren Spieler, in einer Wohngemeinschaft in Bielefeld, besuchte eine hiesige Gesamtschule – die er später mit dem Abitur abschließen sollte – und trainierte vor und nach dem Unterricht mit den Profis. Auch zu den Trainingslagern durfte der A-Jugend-Bundesligaspieler mitreisen.

Im WM-Aufgebot

2006 folgte dann der Karrierehöhepunkt: Die angolanische Nationalmannschaft lud Difuidi zunächst zu einem Lehrgang nach Portugal ein und berief ihn wenig später in den Kader für die WM 2006 in Deutschland. Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft war der bislang größte Erfolg der „Palancas Negras“, der schwarzen Antilopen, wie das angolanische Team genannt wird. „Den Brief bewahre ich noch heute zu Hause auf“, berichtet der 28-Jährige. Die Reise ins Mannschaftsquartier in Celle konnte Difuidi jedoch nicht antreten, eine Verletzung bedeutete das WM-Aus.

2007 absolvierte er dennoch sein erstes und bislang einziges Spiel für Angola – gegen Gambia in Porto. In Portugal, der ehemaligen Kolonialmacht, bestreitet das angolanische Team übrigens einen Großteil seiner Spiele, Trainingseinheiten und Lehrgänge. Das Verletzungspech verfolgte Difuidi auch 2008: Zunächst beim VfL Wolfsburg, wo er mit den Profis eine Woche lang mittrainierte und sich am letzten Tag verletzte oder bei RW Ahlen II, wo er mit Marco Reus und Kevin Großkreutz spielte und ein Muskelfaseranriss das Aus für die Rückrunde bedeutete. Difuidi zog es weiter nach Bremen: Hier spielte er für den Oberligisten TuS Schwachhausen und den FC Oberneuland II. Parallel absolvierte er seinen Zivildienst in einem Kindergarten, hier betreute er ein autistisches Kind.

Zwei Jahre später ging es nach Frankfurt: „Dort habe ich dann erst einmal mit dem Fußball pausiert, um mich ausschließlich auf mein Sportmanagement-Studium zu fokussieren“, berichtet der 28-Jährige. Ein Jahr konzentrierte er sich ausschließlich aufs Lernen, dann kam ein Angebot aus der Schweiz. Pedro Urie Difuidi zögerte nicht lange: Er lief für den FC Solothurn in der 3. Liga auf, später für den FC Altdorf, und lebte in einer WG in Luzern. Bis er sich erneut verletzte. Zurück in Frankfurt machte sich Difuidi selbstständig: Seit 2015 ist er lizenzierter DFB-Spielerberater. Außerdem betreibt er mit seinem langjährigen Freund und Geschäftspartner Maxim Erastov zwei Fitness-Studios in Bad Homburg und Bad Vilbel mit dem Schwerpunkt Elektrostimulationstraining (EMS). Der 28-Jährige pendelt derzeit zwischen Bad Homburg, Bad Vilbel und Fulda. Mit seiner Lebensgefährtin Ramita hat er die zehn Monate alte Tochter Nalia.

Keine goldene Ananas

Über Freund und Stürmerkollege Marco Mouzong kam die Verbindung zum SKV Beienheim zustande, der ihn im Winter zum Hallentraining mitnahm. „Ich bin just for fun mitgegangen und geblieben. Unser Ziel ist der Aufstieg. Wenn ich spiele, dann nicht um die goldene Ananas“, betont Difuidi. 

Noch macht ihm eine Zerrung im rechten Oberschenkel zu schaffen. Inzwischen konnte er aber das Lauftraining wieder aufnehmen, um bald auf Torejagd zu gehen. Fiete wäre sicherlich stolz auf ihn.